Waldorfschulen vermitteln wissenschaftlich gesichertes Wissen und Lernkompetenz wie jede andere Schule auch. Gleichzeitig schaffen sie aber auch eine produktiv-pädaogische Atmosphäre, in der sie Gemeinschaftssinn, Kunst, Handwerk und das Naturverständnis der Kinder fördern.

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Entdecken, gestalten, Erfahrungen sammeln. Schule sollte nicht nur Wissen vermitteln und Leistung abfragen. Sie sollte Lern- und Lebensort sein, und den Kindern einen Raum bieten, in dem sie sich entwickeln und angstfrei lernen können. Zu diesem Ergebnis kommen fast allen neueren Studien der Lernforschung. Auch der Neurobiologe Gerald Hüther plädiert deshalb für einen „Wechsel von einer Gesellschaft der Ressourcennutzung zu einer Gesellschaft der Potentialentfaltung“. In einem Interview mit der Zeitschrift Erziehungskunst fordert er: „Wir brauchen keine Gewächshäuser, sondern offene Schulen, in denen Leben stattfindet. Schulen, die der afrikanischen Weisheit gerecht werden, dass es für die volle Entfaltung eines Kindes ein ganzes Dorf braucht. Schulen müssten Kindern und Jugendlichen die Lernerfahrungen ermöglichen, die man in einem Dorf sammeln kann – vor allem die Interaktion mit vielen verschiedenen Menschen.

Waldorfschulen praktizieren diesen pädagogischen Ansatz schon seit langem. Mit der Gründung der ersten Waldorfschule im Jahr 1919 durch Rudolf Steiner entwickelte sich in Deutschland erstmals eine Schulform, die ihre Schüler nicht nach Herkunft, sozialem Status, Geschlecht oder Leistung auswählte und in der es weder Noten noch Sitzenbleiben gab. Die Idee einer solchen freien Schule war revolutionär: Die Lerninhalte orientierten sich am aktuellen Entwicklungsstand der Kinder, Jungen und Mädchen wurden gemeinsam in denselben Fächern unterrichtet und individuell gefördert. Damit war eine Form der Pädagogik geboren, die zu jener Zeit alles andere als selbstverständlich war. Ziel der Waldorfpädagogik ist es seither, den Schülern Fähigkeiten und Kenntnisse auf einer breiten Basis zu vermitteln. Dabei steht nicht die schnelle Anhäufung von Wissen im Vordergrund. Der Unterricht soll vielmehr durch den Stoff die Entfaltung der individuellen Fähigkeiten des Kindes fördern.

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